Mottenbekämpfung · Biologisch
Monatelang habe ich mich geekelt, alles ausgeräumt, geschrubbt und Lebensmittel entsorgt, nur um nach ein paar Tagen Ruhe wieder die nächsten Motten umherfliegen zu sehen. Bis ich mich dann endlich getraut habe.
Es war ein Dienstagabend. Ich wollte schnell Pfannkuchen machen.
Ich griff ins Regal, öffnete die Mehlpackung und erstarrte.
Eine weiße Larve. Mitten im Mehl.
Was dann folgte, war keine ruhige Überlegung. Ich riss Packung um Packung auf. Haferflocken. Larven. Die Müslibox. Auch da. Den Buchweizen, den Quinoa, die Cornflakes meines Sohnes.
Ich weiß nicht mehr, wie lange ich in dieser Küche stand. Irgendwann lag der halbe Vorratsschrank auf dem Boden.
„Was machst du denn da?"
Mein Mann stand in der Türe.
„Lebensmittelmotten", sagte ich. „Schon wieder."
Ich sage das, weil ich es mir damals gewünscht hätte, dass mir das jemand sagt.
Ich habe alles ausprobiert. Jede Methode. Jeden Tipp. Und trotzdem kamen sie immer wieder.
Das Umweltbundesamt schätzt Lebensmittelmotten als einen der häufigsten Haushaltsschädlinge in deutschen Küchen ein. Und die meisten Betroffenen kämpfen monatelang, bevor sie eine Lösung finden, die wirklich funktioniert.
Jeder zweite Betroffene kämpft länger als sechs Monate. Nicht aus Unvorsicht — die üblichen Methoden sind schlicht nicht dafür gemacht, das Problem an der Wurzel zu lösen.
Ich war fast genau vier Monate drin. Und ich habe in dieser Zeit denselben Fehler gemacht, den offenbar fast alle machen.
Mein erster Impuls waren Klebefallen. Ein Doppelpack aus der Drogerie, eine Falle in den Schrank, eine in die Küche.
Die Fallen fingen tatsächlich Falter. Jeden Tag ein paar. Aber die Motten kamen trotzdem weiter.
Was auf keiner einzigen Verpackung steht: Klebefallen fangen ausschließlich die Männchen — also die Falter, die man sieht. Die Weibchen fliegen ungestört weiter und legen Eier. Bis zu 300 Eier. Pro Motte.
Und noch etwas, das mich im Nachhinein erschreckt hat: Klebefallen nutzen Sexualpheromone als Lockmittel. Bei offenem Fenster können sie damit männliche Motten von draußen anziehen, statt das Problem zu lösen.
Dann die große Putzaktion. Jeden Schrank ausgeräumt, alles mit Essigwasser abgewischt, neu eingeräumt, alles Trockene in Schraubgläser umgefüllt. Drei Stunden Arbeit an einem Samstagvormittag.
Was ich damals noch nicht wusste: Lebensmittelmotten-Larven können sich in kleinste Ritzen und Spalten zwängen, in Verpackungsfalten, Mauerritzen, hinter Sockeln, in Deckenleisten.
Eine Woche später saß ich auf dem Küchenboden, mit einem dieser Schraubgläser in der Hand, und starrte auf eine Larve darin.
Wie zur Hölle schaffen die das? War mein einziger Gedanke.
Als nächstes mussten alle Hausmittelchen her. Zuerst Lavendel, dann Zedernholz. In meiner Verzweiflung war ich sogar bereit, zu Sprays zu greifen. Ich habe dann noch mal recherchiert und einen Artikel vom Umweltbundesamt gefunden, der bei einem Großteil der gängigen chemischen Mittel Nervengifte nachgewiesen hat. Teils Pyrethroide, die bei regelmäßiger Anwendung für Kleinkinder und Schwangere problematisch sein können und scheinbar auch für Katzen hochgiftig sind.
Ich habe einen dreijährigen Sohn. Das kam für mich nicht in Frage.
Was anfangs lästige Falter waren, hatte sich in meinem Kopf längst zu etwas anderem entwickelt. Diese Mistviecher raubten mir meine Nerven. Ich stand beim Kochen unter ständiger Anspannung. Ich traute keiner Packung mehr. Ich kontrollierte akribisch jedes Glas.
Über Ostern waren wir vier Tage bei meinen Eltern. Ich konnte keinen einzigen Moment wirklich genießen, weil ich nicht aufgehört habe, daran zu denken, dass es zu Hause gerade schlimmer wird. Dass sich niemand darum kümmert. Dass ich zurückkomme und alles von vorne anfange.
Irgendwann nach dem Urlaub habe ich mich in einem Forum umgehört. Ich wollte wissen, ob andere dasselbe durchmachen.
Was ich fand, hat mich erst erleichtert und dann schockiert.
Jede zweite Frau dort beschrieb exakt dieselbe Geschichte. Klebefallen aufgehängt. Große Putzaktion. Kurze Ruhe. Neuer Befall. Neue Methode. Mehr Frust.
Und dann schrieb jemand, was der eigentliche Grund dafür ist.
Nicht die Motte ist das Problem. Die Motte, die durch deine Küche fliegt, hat bereits getan, was sie tun musste: bis zu 300 Eier gelegt. Überall da, wo man nicht hinkommt.
Die Larven, die man findet, sind schon alt. Die Eier, aus denen die nächste Generation schlüpft, sieht man nicht.
Und dann fiel mir auf, dass in diesem Forum immer wieder von Schlupfwespen die Rede war. Ich hatte es bisher jedes Mal überflogen und ignoriert.
Ich muss ehrlich sein: Ich kannte die Lösung.
Meine Schwester hatte mich schon Monate zuvor auf Schlupfwespen angesprochen. Ich hatte kurz gegoogelt, dann weggeklickt.
Mein erster Impuls: Ich hol mir doch nicht neue Insekten ins Haus, um die alten loszuwerden. Das klang für mich widersprüchlich. Fast absurd.
Also wartete ich. Kaufte noch eine Packung Fallen. Noch eine Putzaktion.
Dann, kurz nach Ostern, war mein Mann am Ende seiner Geduld. Er wollte das Problem ein für alle Mal lösen und einen Kammerjäger rufen. Das Angebot: 600 Euro.
Ich habe nachgerechnet. In den vier Monaten davor haben es weggeworfene Lebensmittel, Fallen, Hausmittel und Glasdosen zusammengerechnet auf knapp 300 Euro gebracht. Der Befall war immer noch da. Plus 600 Euro Kammerjäger wäre ich bei fast 900 Euro.
Ich rief meine Schwester an. „Das mit den Schlupfwespen", sagte ich. „Schick mir nochmal den Link."
Kurze Pause.
„Na endlich."
Auch wenn ich mich lange gegen diesen Gedanken gesträubt habe: Die Motten, die durch die Küche fliegen, sind noch nicht einmal das eigentliche Problem.
Eine Lebensmittelmotte lebt als Falter nur etwa zwei Wochen. In dieser Zeit legt ein Weibchen bis zu 300 Eier. Die Eier werden überall platziert: in Ritzen, in Hinterschränken, hinter Leisten, in Verpackungsfalten, selbst in winzige Bohrlöcher.
Der vollständige Zyklus von Ei bis zum nächsten Falter dauert bei Zimmertemperatur vier bis acht Wochen. Das heißt: Selbst wenn man heute alle sichtbaren Motten vernichtet, schlüpft in vier bis acht Wochen die nächste Generation aus Eiern, die man nie gesehen hat.
Deswegen wird es immer schlimmer, je länger man wartet. Jeder Zyklus hinterlässt mehr Eier als der vorherige.
Klebefallen, Sprays, Putzaktionen: Sie alle bekämpfen das, was man sieht. Die Eier bleiben. Selbst ein einziges Ei in einer vergessenen Ritze reicht, um den ganzen Zyklus neu zu starten.
Das erklärte alles, was bei mir in diesen vier Monaten passiert war. Auch die Larven in den Schraubgläsern.
Trichogramma evanescens ist eine Schlupfwespe, 0,4 Millimeter klein. Mit bloßem Auge kaum zu sehen. Und sie sucht ausschließlich eines: Motteneier.
Die Schlupfwespe legt ihre eigenen Eier in das Mottenei. Die Mottenlarve entwickelt sich nicht mehr. Stattdessen schlüpft eine neue Schlupfwespe, die das nächste Mottenei sucht. Dieser Zyklus läuft durch, bis keine Motteneier mehr da sind. Dann sterben die Schlupfwespen ab — mangels Nahrung.
Das ist die einzige Methode, die direkt an den Eiern ansetzt. Sie befallen keine anderen Insekten, keine Lebensmittel, keine Menschen. Sie stechen nicht. Das Umweltbundesamt empfiehlt diese Methode explizit als biologische Alternative zu chemischen Mitteln.
Ich war trotzdem skeptisch und musste lange mit mir hadern.
Meine Schwester hat mir erklärt, was ich vorher nicht verstanden hatte: Die Wespen sind so winzig, dass man sie im Alltag komplett vergisst. Sie flattern nicht durch die Küche — denn sie können nicht fliegen. Man bekommt von ihnen nichts mit.
Geliefert werden Schlupfwespen auf unscheinbaren Träger-Karten, die man online bestellen kann. Leider gibt es diese nicht bei DM oder Rossmann, weil sie anscheinend immer direkt aus der Zucht versendet werden müssen.
Anwerk, ein Familienunternehmen aus dem Westerwald, hat dieses Prinzip in ein praktisches System verwandelt. Deutsche Zucht. Die Karten werden wochenfrisch produziert.
Um den Lebenszyklus der Motten zu durchbrechen, muss man die Karten alle 2 Wochen erneut an den selben Stellen auslegen. Die frischen Schlupfwespen durchbrechen so den Brutzyklus der Motten, bis keine neuen Eier mehr nachkommen.
Bei Anwerk kann man direkt diese „Behandlung" kaufen. Man kauft einmalig und erhält dann tatsächlich ca. alle 2 Wochen eine Lieferung. Das Ganze eben 4 Mal.
Meine Schwester hat mit mir zusammen bestellt. Eine Karte deckt ungefähr einen Quadratmeter ab, also ein Regalfach oder eine Schublade.
Ich musste mir ehrlich überlegen, wo ich überall Lebensmittel gelagert hatte: Küchenschrank oben, Küchenschrank unten, Vorratsregal, Abstellraum. Ich kam auf neun Stellen.
Am Ende habe ich dann 8 Karten pro Lieferung bestellt. Das Ganze 4 Mal ergibt in Summe also 32 Karten.
Die Schlupfwespen werden als Puppen geliefert. Temperaturstabil. Einfach per Post. Sie schlüpfen erst bei dir zu Hause, bei Zimmertemperatur.
Lavendel und Zedernholz am besten vor der Behandlung einstellen.
Die ersten Karten kamen per Post. Unscheinbar. Dünne Kärtchen mit ein paar kleinen schwarzen Punkten darauf. Das waren sie schon.
Ich sah nichts. Keine Wespen, keine Bewegung, kein Drama. Ich legte sie in den Schrank, wie beschrieben, und wartete.
Nach der zweiten Lieferung: weniger Fänge in der Klebefalle.
Nach der dritten: Ich kaufte Mehl. Öffnete die Packung. Schaute hinein. Nichts. Ließ sie drei Wochen offen stehen. Noch immer nichts.
Die vierte und letzte Lieferung habe ich dann noch sicherheitshalber ausgelegt und meine Schwester angerufen: „Es hat funktioniert!"
„Hab ich dir doch gesagt", sagte sie.
An dem Abend habe ich zum ersten Mal seit vier Monaten entspannt gekocht. Endlich konnte ich einen Schrank öffnen, ohne innerlich anzuspannen.
Ich bin nicht allein damit.
Auf Facebook berichten viele andere Nutzer von ähnlichen positiven Erfahrungen mit Schlupfwespen:
Ich verstehe jeden, der zögert. Der Preis ist höher als eine Packung Klebefallen. Das stimmt.
Aber das ist der falsche Vergleich.
Die richtige Frage ist: Was kostet es dich, wenn dein Zuhause nicht mehr dein Rückzugsort ist? Was kosten dir Monate, in denen du beim Kochen unter Anspannung stehst, in denen du jedem Schrank misstraust, in denen du im Urlaub nicht abschalten kannst?
Weggeworfene Lebensmittel, Fallen, Mittel, Glasdosen, Putzaktionen samstags. Und das alles ohne Ergebnis.
Was ich im Nachhinein erfahren habe: Kammerjäger greifen auf exakt dieselbe Methode zurück. Du zahlst bei ihnen nur die Arbeitszeit dazu — das erklärt, warum ein Kammerjäger-Besuch schnell 500 bis 600 Euro kostet.
Ich ärgere mich nur über mich selber, dass ich nicht früher damit angefangen habe.
Klicke einfach auf den Button und prüfe die Verfügbarkeit der Schlupfwespen.
Verifizierte Rezensionen
Hier habe ich euch nochmal Rezensionen zu Anwerk und den Schlupfwespen rausgesucht:
Nachtrag: Seit ich den Artikel veröffentlicht habe, haben viele von euch Fragen gestellt. Ich habe euch die wichtigsten hier nochmal zusammengefasst: